Interview mit Experiment e.V.

Interview mit Sabine Stedtfeld von Experiment e.V.

Hier findest du unser Interview mit Sabine Stedtfeld, Teamleitung Schüleraustausch weltweit bei Experiment e.V.

Interview Experiment e.V.

1. Welche drei Aspekte machen Experiment e.V. aus?

Experiment e.V. ist eine gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Organisation. Wir arbeiten eng mit Ehrenamtlichen zusammen, die uns im Sinne einer Austauscherfahrung mit nachhaltiger Wirkung unterstützen. Eine weitere Besonderheit ist unser sehr hohes Stipendienvolumen. Wir möchten möglichst vielen Menschen zu einem Auslandsaufenthalt verhelfen.

2. Wie läuft ein Austausch bei euch in der Regel ab?

Der erste Schritt ist die Online-Bewerbung auf unserer Webseite. Im Anschluss findet ein persönliches Kennenlerngespräch in Wohnortnähe statt, das in der Regel von Ehrenamtlichen geführt wird. Nach dem Gespräch erfolgt die Zusage für das gewünschte Land. Im nächsten Schritt müssen die Unterlagen für die Vermittlung im Gastland ausgefüllt und zusammengestellt werden. Das viertägige Vorbereitungsseminar wird an verschiedenen Orten in Deutschland angeboten. Vor der Ausreise werden außerdem bereits die Namen und Kontaktdaten der Gastfamilie mitgeteilt. Dann geht’s los: Die Reise ins Gastland erfolgt zumeist in der Gruppe. In den meisten Ländern findet vor Ort ein Orientierungsseminar statt, bevor die Teilnehmenden zu ihren Gastfamilien weiterreisen. Das Leben in der Gastfamilie und der Besuch der Schule im Ausland gefallen etlichen Teilnehmenden so gut, dass sie ihren Aufenthalt verlängern. Auch wenn sie sich auf ihre Rückkehr freuen, fällt der Abschied fast allen schwer. Kurz nach der Rückkehr wird ein dreitägiges Nachbereitungsseminar angeboten.

3. Wie begleitet ihr eure Austauschüler*innen im Ausland?

Regionale Betreuer halten über die gesamte Austauschzeit den Kontakt zu den Teilnehmenden und ihren Gastfamilien. Die Betreuer haben meist langjährige Erfahrung und haben auch die Gastfamilie vorher bereits besucht und sich von ihrer Eignung überzeugt. Zudem gibt es im Gastland eine 24-Stunden-Notrufnummer, bei der sich die Teilnehmenden jederzeit melden können. Für Eltern gibt es zusätzlich eine Notrufnummer von Experiment e.V., unter der wir rund um die Uhr hier in Deutschland erreichbar sind.

4. Bietet Experiment e.V. Stipendienprogramme an und wie kann man sich darauf bewerben?

Ja. Wir vergeben pro Schuljahr allein 85.000 Euro aus unserem vereinseigenen Stipendien-Fonds. Zusätzlich bestehen verschiedene Stipendienkooperationen: Experiment e.V. ist eine der vom Deutschen Bundestag mit der Durchführung des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) beauftragten Austauschorganisationen. Seit mehr als 35 Jahren werden im PPP jährlich 57 Vollstipendiaten/innen für ein Schuljahr in den USA durch Experiment e.V. betreut. Außerdem gibt es die Stiftung Mercator fördert den Schüleraustausch in China und die Kreuzberger Kinderstiftung unterstützt Schüler/innen, die den mittleren Schulabschluss anstreben. Bereits bei der Online-Bewerbung kann man das passende Stipendium auswählen und erklären, warum man gefördert werden sollte. Nach Eingang der Bewerbung besprechen wir das weitere Verfahren und fordern gegebenenfalls weitere Unterlagen an.

5. Was ist aus deiner Sicht der größte Vorteil eines Schüleraustauschs, auch gegenüber anderen Austauschformaten z.B. nach der Schule?

Ganz grundsätzlich kann man sagen, dass man nie wieder die Gelegenheit hat, so tief in das Alltags- und Familienleben in einem anderen Land einzutauchen als im Rahmen eines Schüleraustausches. Das Leben in der Gastfamilie als kleinste Einheit fördert nicht nur das Sprachverständnis, sondern auch das Verständnis für andere Lebensweisen. Im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ist man viel offener und anpassungsfähiger für andere Lebensweisen als in späteren Lebensphasen. Als Jugendliche/r erlernt man eine Fremdsprache deutlich schneller als später. Oft dauert es nur wenige Monate bis man in der Sprache denkt und in ihr träumt. Hinzu kommt, dass sich ein Schüleraustausch in der Regel positiv auf die Persönlichkeitsbildung auswirkt und oft ganz neue Perspektiven für die weitere Bildungslaufbahn und Lebensplanung eröffnet.

6. Hast Du noch eine nette Geschichte aus dem Büroalltag von Experiment e.V., die du mit uns teilen willst?

Zwischendurch gibt es immer mal überraschende, nette oder lustige Situationen im Büro. Eine eher schöne Anekdote war der Überraschungsbesuch eines Stipendiaten, der für das ganze Team persönlich einen Kuchen vorbeibrachte, um sich für sein Stipendium zu bedanken.

Sabine Stedtfeld, Experiment e.V.

Vielen Dank für das Gespräch.