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Warum es sich lohnt, Gastfamilie zu werden

Familie Ender aus Baden-Württemberg hat ihr Zuhause für Jere aus Finnland geöffnet. Ihr Fazit nach einem Jahr: Es lohnt sich, Gastfamilie zu werden!

Familie Ender mit Gastschüler Jere am Abschiedstag

Wie wir AFS-Gastfamilie wurden

Nachdem unser ältester Sohn Sebastian (16 Jahre) sich entschlossen hatte, für ein Jahr mit AFS in die USA zu gehen, reifte in uns der Gedanke, in dieser Zeit ebenfalls ein Gastkind aufzunehmen. Auch unsere beiden anderen Kinder Simon (14 Jahre) und Sandra (10 Jahre) stimmten zu, dass das verwaiste Zimmer ihres Bruders von jemand „Fremdem“ bewohnt sein würde.

Aufgrund unserer eigenen Erfahrung (mein Mann und ich waren jeweils ein Jahr während des Studiums in Lettland, während der praktischen Ausbildungsphase in Südafrika in einem früheren Homeland) waren wir positiv und offen, was Land und Geschlecht des Gastkindes angeht. Doch der erste Vorschlag von AFS gefiel uns gleich und so durften wir Jere aus Finnland bei uns begrüßen. Zuerst geplant als Semesterprogramm, ver­längerte Jere seinen Aufenthalt auf ein Jahr, was schon zeigte: Es war ein gutes Jahr im Miteinander für Gastsohn und Familie.

Mit der Sprache klappte es bald prima

Jere kam samstags im September direkt vor Beginn des neuen Schuljahres in Baden-Württemberg an. Das fanden wir als Familie hart, doch er steckte es gut weg. Nach den ersten Morgen an Schultagen war er zu Beginn aber ziemlich müde: Die neue Schule, die vielen Menschen, Autos, S-Bahn fahren, Familie, Sprache inklusive Dialekt... Das war schon viel auf einmal – zumal wir hier im Süden Deutschlands ja sehr dicht besiedelt sind, was für ihn ziemlich eng, voll und ungewohnt war. Schnell wurden die Abläufe in Schule, Familie und die kleinen Alltagspflichten für ihn aber zur Routine. Mit der Sprache klappte es auch bald prima, da er sehr sprachbegabt ist und guten Unterricht hatte. Ab Dezember liefen unsere Unterhaltungen schon fast ausschließlich auf Deutsch.

Zusammen mit drei anderen AFS-Austauschschülern im Komitee Heidelberg besuchte Jere einen Sprachkurs und baute im Laufe des Jahres eine sehr intensive Freundschaft auf und genoss alle Camps und Kontakte. Das Kennenlernen von Jugendlichen aus anderen Kultur­kreisen während des eigenen Auslandsjahres ist eine tolle Chance, wie auch Fahrten, Camps und Freizeiten.

Neben AFS-Aktivitäten und dem Freundeskreis, nahm Jere am Schulrudern, Männerturnen und am Chor and more unserer Kirchengemeinde teil. Er brachte sich überall toll ein und wurde gern gesehen, auch als Teil der Mannschaft bzw. des Chores. Diverse T-Shirts, die er zum Abschied bekommen hat, dokumentieren das.

Jere kocht jetzt badisch – und wir essen finnisches Knäcke

Wir als Familie lernten in der Zeit des Austauschjahres Allerlei über ein nordeuropäisches Land, welches für uns noch Neuland war. Manches war uns fremd, wie zum Beispiel der enorme Kaffeekonsum, Salzlakritz, die spannende Geschichte Finnlands und natürlich auch die Sprache. Wir lernten viel zu Saunakultur, den Mumins, dass Finnen eher verhalten reagieren, aber einen Hang zu Heavy Metal haben und voll Aufdrehen zu Mittsommer, auch Juhannus genannt.

Inzwischen haben wir Jeres Heimat und Familie bereits besucht und freuen uns auf den weiteren herzlichen Kontakt – und, dass wir jetzt auch ein „familiäres“ Standbein in Finnland haben.

Es ist ein schönes Gefühl, Fotos zu bekommen, die Jere beim badisch Kochen für seine Familie zeigen und wir essen voll Freude finnisches Knäcke mit Realbezug.

Typisch Finnisch: Matti, Muminstasse und Salzlakritze

Warum es sich lohnt, Gastfamilie zu werden

Ein sehr schöner Nebeneffekt für uns selbst als Familie war: Durch Jere haben wir selbst noch einmal ganz bewusst unsere schöne Heimat, vor allem den Nahbereich, wahrge­nom­men. Neben größeren Urlauben in Südtirol, Köln, München und im Elsass, haben wir viele Ausflüge und kleine Touren unternommen, unsere Familie besucht und zumindest einen „Teil-Badener“ aus unserem Finnen gemacht.

Natürlich: Es gab auch Missverständnisse, ausgesprochene und unausgesprochen Erwartungen, Nähe- und Distanzfragen, auch Ärger und Sorge. Das haben wir in der Familie allerdings auch sonst. Welche Familie nicht?

Insgesamt war es ein wunderschönes Jahr, eine tolle Erfahrung, die wir nicht missen wollen. Wir können nur sagen: Es lohnt sich, Gastfamilie zu werden.